Blog Tanz; Tanzstunde; Tänzer; Tänzerin

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Tomaten auf den Ohren (von Eva am 18.11.2018)

«Vivienne, nimm das Einhorn jetzt nicht hervor, wir fangen gleich an» - Vivienne nimmt das Einhorn hervor und fängt zusammen mit Sara an zu spielen. «Kinder versorgt alle Spielsachen, wir beginnen», «Kinder versorgt alle Spielsachen, wir beginnen» - ich sitze bereits schon dort, wo wir normalerweise den Kreis zu Beginn der Tanzstunde bilden – «Kinder versorgt alle Spielsachen, wir beginnen», «WOAH, KINDEEER, versorgt jetzt alle Spielsachen, wir beginnen!». Im Kreise sitzend nehmen wir alle gemeinsam die Tomaten von den Ohren. Woher der Begriff «hast du Tomaten auf den Ohren?» kommt, weiss ich nicht. Wohl so ein Überbleibsel des Sprachgebrauchst meiner Schwester und mir als Kinder. «Lauch» ist Jugendwort des Jahres, ich brauchte damals das Worte «Pflanze» synonym. Und eben daher vermute ich, dass die «Tomaten auf den Ohren» auch aus dieser Zeit stammt. Google belehrt mich hingegen, dass es eigentlich "Tomaten auf den Augen heisst" (unkonzentriert, da müde und auf rote Augen zurückführend) und ich und meine Schwester wohl etwas falsch verstanden hatten. Viel genützt hat das mit den Tomaten von den Ohren nehmen nicht. Die Kinder hörten während der ganzen Lektion eher weniger als mehr darauf, was ich sagte. Ich hatte den Eindruck, dass sie unheimlich selektiv zuhören.

Es ist mir nicht nur in der Lektion mit Vivienne, den Kleinsten aufgefallen und es ist auch nicht ein Phänomen der Teens, die sich lieber mit anderen Themen untereinander beschäftigen. Die letzten Tage ist mir aufgefallen, wie wenig zugehört wird. Doch sind die Kinder daran schuld? Ich bin zur Erkenntnis gelangt, dass bei der heutigen Geräuschkulisse, die einzige Strategie das selektive Zuhören ist. Meine Geräuschkulisse während ich diesen Blog schreibe: ich höre gerade Deep Focus- Musik, damit ich mich konzentrieren kann, weil mein Mann gegenüber geräuschvoll die Maus für Photoshop benützt und gleichwohl dringt das Piepen der Waschmaschine an meine Ohren, weil die Wäsche, fertig gewaschen, zum Herausnehmen ist. Für Kinder bedeutet dann natürlicherweise selektives Zuhören nur das zu hören, was sie hören wollen. Das zu hören, was ihnen ermöglicht, das zu tun, was sie wollen. Meine Aufgabe ist es jedoch, den Kindern tanzen beizubringen. Und beim Tanzen gibt es wie bei allen Tätigkeiten, Dinge, die weniger Spass machen. Diese Dinge, befähigen jedoch, das Schöne am Tanzen zu erfahren und auszuüben. Beispielsweise haben viele keine Lust, Pliés zu üben. Das ist monoton, immer dasselbe. Doch das Plié ist der Freund der TänzerIn, weil es beispielsweise bei Sprüngen der Kraftspender für den Absprung und die Abfederung bei der Landung ist. Bei der Ausführung der Pliés kann man auf so viele Dinge achten, Armführung, Rumpfhaltung, Beinhaltung, Bewegungsablauf und vieles mehr, was das Ganze spannend macht. Gleichzeitigt erfolgt die Übung zu Musik, was grundsätzlich schon Spass macht und die Musikalität fördert. Und schliesslich kann man das Plié dann gleich anwenden, wenn man die Choreografie der Woche tanzt. Diese Unmittelbarkeit von Üben und Anwenden, begleitet von Musik hat mich persönlich am Tanztraining immer fasziniert und bereitet mir grosse Freude.

Aber zurück zu Vivienne und Co: Was mache ich nun mit der Erkenntnis des selektiven Zuhörens der Kinder? Mal Pliés ohne Musik machen? Geräusche und Töne gezielt einsetzen wie der Piepton, wenn meine Wäsche gewaschen ist?  Einfach weiterhin meine Geduld schulen und warten, bis die Kinder für meinen Unterricht und meine Übungen parat sind? Wohl eine Kombination von allem und es wird wohl eine «Stille-Geräusch-Ton-Klang-Musik-Woche» daraus werden. Ich freue mich darauf.

Das Wetter in Italien (von Eva am 11.04.2018)

Vivienne schaut mich mit Ihren grossen Augen an. Diesmal ist es nicht, weil ich sie an einen anderen Platz verweise, weil sie anstatt zu tanzen, mit Mia ununterbrochen schwatzt. Nein, da hat sie mich ganz anders angeschaut, böse und enttäuscht und ist anschliessend mit ihrem ganzen kleinen Körper in einer «du kannst mich mal, lass mich in Ruhe»-Pose erstarrt. Nein diesmal schaut sie mich mit erwartungsvollen Augen an. Was erwartet sie? dass ich mit ihr tanze, Musik abspiele, die ihr gefällt, sie rumtollen lassen mit Mia, den anderen und den Einhörnern, dass ich sie nicht langweile mit meinem Tanzunterricht. Was erwarte ich in dem Moment? Tanzfreude, ein angemessenes Mass an Disziplin, Respekt, lachende Gesichter und Fortschritte im Tanzkönnen meiner TänzerInnen. Erwartungen – warten auf, dass etwas, das ich mir vorstelle, eintrifft. Während ich schreibe, sitze ich in unserer kleinen Wohnküche in Italien. Wenn ich zum Fenster rausschaue, sehe ich die Hügel der Umgebung, ein wenig in Nebel gehüllt. Draussen wird es so um 10 Grad sein, es ist ein wenig bewölkt. Und da kommt mir meine Mom in den Sinn, die ganz aufgeregt nachschauen wollte, was wir diese Woche für Wetter haben würden – in Erwartung, dass ich für unsere Ferien schönes Wetter wünsche. Mich hat’s nicht interessiert, denn sobald ich eine Erwartung an etwas habe, das ich eh nicht beeinflussen kann, kann diese immer nicht eintreffen und die Enttäuschung ist vorprogrammiert. Vielmehr geniesse ich es am Morgen die Klappläden zu öffnen, vom Wetter überrascht zu werden und den Tag entsprechend zu gestalten. Das macht ja Ferien aus, nicht nach Tagesplan zu leben und wie sonst, pünktlich nach Stundenplan im Tanzsaal zu stehen. Erwartungen spielen beim Tänzerberuf eine wichtige Rolle. Es werden Erwartungen an Körper, Technik, Kreativität, Disziplin, kognitive, sprachliche und kommunikative Fähigkeiten gestellt, um dann immer wieder berühmte TänzerInnen hervor zu bringen, die diesen Erwartungen irgendwann in ihrer Karriere nicht gerecht wurden. Da gibt es auf der einen Seite Misty Copeland, Prima Ballerina am American Ballet Theater, die erst mit 13 Jahren mit Tanzunterricht begonnen hat. Dann gibt es Serhij Polunin, der bereits mit 23 Jahren seinen sofortigen Austritt aus dem Royal Ballet gab, nachdem er als jüngster Prinzipal aller Zeiten mit 17 Jahren, dort engagiert wurde. Dann gibt es Curtis Burger, jüngst in der Jury von «Darf ich bitten» des Schweizer Fernsehens, der ohne jegliche Tanzausbildung sich als Tänzer, Choreograf und Tanzlehrer in der Schweiz etabliert hat. Und es gibt noch viele Biografien von Tänzer und Tänzerinnen, die dem wohl gängigen Erwartungsbild nicht entsprechen würden. Und gleichwohl, wer ProfitänzerIn werden will, muss sehr viel trainieren, um sich eine gute Tanztechnik anzueignen. Jährlich findet in Barcelona die sogenannte «Grand Audition» statt, bei der mehr als 10 Ballett Kompanien TänzerInnen auswählen. Wer keine starke Tanztechnik, bereits an der Stange aufweist, kommt nicht in die nächste Runde. Mir ist klar, dass wir hier von Klassischem Ballett sprechen, doch auch für andere Tanzstile ist die Technik nun mal die Grundlage des Tanzes. Die gute Nachricht ist, dass die Tanztechnik geübt werden kann. Mehrmaliges Training pro Woche zahlt sich sofort aus. Nachdem ich nun Carmen ein paar Woche in ihren Ballett-Stunden vertreten habe, bin ich zudem einmal mehr überzeugt von der positiven Wirkung des Ballett-Trainings auf die Tanztechnik, egal welchen Tanzstil man bevorzugt. Nun wollen wir ja nicht alle ProfitänzerInnen werden. Und gleichwohl gefällt mir die Aussage von Mikhail Baryshnikov: «I do not try to dance better than anyone else. I only try to dance better than myself.», die man sich auch als weniger ambitionierte TänzerIn zu Herzen nehmen darf. Inzwischen ist die Sonne rausgekommen – Zeit für einen Spaziergang oder doch lieber Shopping?

Januar und Februar im Nebel (von Eva am 25.02.2018)

Vivienne war diese Woche noch in den Skiferien. Mia sagte, dass sie sie vermisse - ich habe sie auch vermisst.

Der Februar ist bald um, nachdem der Januar ewig dauern wollte, wohl wegen der kurzen Tage und den furchtbaren Ereignissen, leider auch im Umfeld unserer Tanzschule. Und in dem Moment, in dem ich das schreibe, kommt mir der Januar unglaublich fern vor. Unwirklich, dass Hanne, unsere Tanzlehrerin, die in Finnland ihre Tanzausbildung macht, da war. Und auch schon wieder vergangen, das verregnete Wochenende in Heilbronn, wo "le ragazze" an der Sportlerehrung auftreten durften.

Die zwei Wochen Schulferien konnten wir nutzen für administrative Arbeiten und Vorbereitungen für unsere Show "Our House". Choreografien wollten einstudiert werden, Bühnenbilder wurden gebaut und Organisatorisches bearbeitet. Mich belustigt dann immer die Frage ein wenig "Eva, hattest du schöne Ferien?" - "welche Ferien?" war kürzlich eine spontane Antwort. Wer kann sich schon so viele Ferien leisten, wie Schulferien sind? Und ich habe mir überlegt, mal so einen Tagesablauf in der kursfreien Zeit zu beschreiben. Jedoch hat mich die Reaktion von Sabrina davon abgebracht, denn sie meinte "ja du machst schon viel". Aber darum geht es nicht, ich möchte einzig den Leuten zeigen, dass auch einiges läuft, wenn keine Kurse stattfinden.

Ein toller Event durften wir auch dieses Wochenende durchführen. Letizia organisierte zusammen mit uns einen "Line Dance Event" für Ihre FreundInnen und KollegInnen. Ich gab eine Stunde eine Einführung in Line Dance, anschliessend servierte uns Chef Walter, passend zum Ursprungsland des Line Dance, Hamburger. Es war ein toller, gemütlicher Abend. Es würde mich freuen, wenn wir weitere solche Events durchführen dürften. Beispiele für solche Events finden sich auf unserer Website unter Event. Und vielleicht kommt ja jemandem ein Tanzstil in den Sinn, der nicht aufgeführt ist - auf diese Herausforderung würde ich mich freuen.

Nächste Woche ist Vivienne hoffentlich wieder da und wird uns von ihren Skiferien berichten. Vielleicht gab es ja einen Social Dance im Après Ski (gibts Après Ski für 4 Jährige?), den sie uns zeigen kann. Wir werden auf alle Fälle den Cha Cha Slide aus der Versenkung holen und nächste Woche zumindest mit den Kids tanzen.

NonnoDance oder weshalb ich keine Millionärin bin von Eva am 10.12.2017

Vivienne hatte übrigens doch zu Mittag gegessen – nur einfach in der Waldspielgruppe und Fritz, ihr Grossvater, bringt sie am Freitag ins Tanzen und ist immer angenehm besorgt um ihr Wohlergehen. Vielleicht kommt Fritz ja mal mit Vivienne zusammen tanzen, denn gerne möchte ich ein Nonno/Nonna Dance-Event machen, damit auch die etwas älteren Leute den Zugang zum Tanzen finden und für die Kids wäre es sicher auch ein schönes Erlebnis.

Erwiesenermassen ist Tanzen gesundheitsfördernd, was mehrere wissenschaftliche Studien belegen. Einerseits verbessert sich der Muskeltonus, die Flexibilität, der Gleichgewichtssinn und die kardiovaskuläre Leistungsfähigkeit. Andererseits ist Tanzen sehr gut für die Hirntätigkeit, da jede Hirnregion angeregt wird – dies macht übrigens Tänzer zu besseren Multitaskern. Vor diesem Hintergrund beantwortete ich diese Woche auch die Frage von Alessia, was denn sei, wenn ich an Alzheimer erkranken würde, damit, dass die Wahrscheinlichkeit, dass mir das passiert, geringer sei, dank dem ich tanze. Man mag sich jetzt fragen, wie eine Jugendliche auf eine solche Frage kommt? Die Teens fragten, was denn sei, wenn ich nicht mehr tanzen geben könnte und ich antwortete, dass ich vorhabe, noch lange zu unterrichten.

Der Ausgangspunkt dieser Diskussion war indes, dass sie fragten, ob man bei uns in der Tanzschule schnuppern könne. Ich erklärte, dass wir leider keine Lehrstellen anbieten könnten, einerseits, weil unser Büro zu klein sei und wir nicht ausgebildet sind, um einen KV-Ausbildungsplatz zu stellen. Andererseits ist TanzlehrerIn kein anerkannter Beruf in der Schweiz, und somit könne man diesen auch nicht lernen. Immerhin gibt es inzwischen ein EFZ für Bühnentänzer, der sich jedoch auf die Tanzstile klassisches Ballett und zeitgenössischen Tanz beschränkt. Möglicherweise ist es in ein paar Jahren möglich, eine Höherer Fachprüfung in Tanzpädagogik zu erlangen. Inzwischen muss man sich im Ausland ausbilden lassen oder bei privaten Anbietern, die weder eine eidgenössische Anerkennung anbieten können, noch über ein Qualitätslabel verfügen. Ein tanzbezogenes Ausbildungsangebot gibt es gleichwohl in der Schweiz: an der Universität Bern kann man Tanzwissenschaften studieren (Master of Arts in Theatre and Dance Studies), was unsere Tanzlehrerin Nora Bichsel abgeschlossen hat oder einen Master in TanzKultur (neu Dance Science) erlangen, was ich gemacht habe.

Interessant war dann auch die Frage, wohin denn das Kursgeld gehe, das sie ja zahlen (erst später habe ich den Zusammenhang begriffen, dass die Frage dahinging, dass wenn TanzlehrerIn kein Beruf ist, wir ja auch kein Geld damit verdienen können). Wir zahlen natürlich unseren TanzlehrerInnen davon Lohn, ebenso unserer Administrations-Verantwortlichen und der Reinigungsfachkraft. Miete, Versicherungen, Gebühren, Steuern, Kostüme, Musik, Zusatzleistungen, Unterrichtsmaterial, etc. müssen natürlich auch durch die Kursgelder gedeckt werden. Bei dieser Thematik kommt mir immer etwa den Spruch in den Sinn, der in Tanzlehrerkreisen in den USA herumgereicht wird: «Nein, es ist nicht mein Hobby, nein, ich bin nicht Millionär, nein, ich spiele nicht, ich arbeite 7/24, Ja, ich bin eine Tanzlehrerin, voller Leidenschaft für den Tanz, was ich meinen TänzerInnen weitergeben möchte. Es ist mein Ziel jedem die wahre Freude des Tanzens als Erfahrung weiter zu geben. »

Genauso ist es und ich freue mich auf die nächsten zwei Wochen unsere «Angel»-Choreografie mit den Jazzern zu tanzen, mich mit den Kids auf den «Tip Toes» zu bewegen und mit den Hip Hop-ern den «Skrt Skrt» zu moven, um dann schliesslich das Tanzjahr 2017 mit unserem traditionellen Weihnachtstanz abzuschliessen.

Ich wünsche allen eine wunderbare, besinnliche Adventszeit. Enjoy YOUR dance.

Mein erster Blog (von Eva am 17.11.2017)

Die Geste für Sunrise ist neu die Telefonhand, obwohl man den Boden liebt, gibt's blaue Flecken, Vivienne kriegt kein Mittagessen, weist du, wo dein Tanzknopf ist? Es gibt so viel zu erzählen aus meinem Tanzalltag, dass ich es nicht missen möchte, darüber zu schreiben. Vielleicht habt Ihr ja Lust, ab und zu aufgrund meiner Zeilen gedanklich im Tanzsaal mit dabei zu sein oder einfach etwas über Tanz zu erfahren.

Auf dem Foto seht Ihr übrigens meine Aussicht, wenn ich vom Laptop aufschaue. Wenn ich möchte, kann ich innert Sekunden vom Schreibtisch zum Tanzsaal wechseln und das ist sehr praktisch. Und morgen wird genau dort die Bar sein und ich bin schon aufgeregt, welch ein Erlebnis unser erster solcher Event werden wird.

So, nun geht's ans Vorbereiten der Party und am Nachmittag geht's weiter mit unserer Floorweek - hoffentlich ohne blauen Flecken.

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